Rezept Komposttee

Hier ist ein detailliertes, praxisnahes Rezept zum Selberherstellen von Komposttee (auch Komposttee oder Compost Tea genannt). Komposttee ist ein flüssiger Extrakt aus reifem Kompost, der voller nützlicher Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Protozoen) steckt. Er dient als natürlicher Biodünger, Bodenaktivator und Pflanzenstärkungsmittel – fördert Wurzelwachstum, Nährstoffaufnahme, Krankheitsresistenz und Bodenleben, ohne Chemie.

Es gibt zwei Hauptvarianten:

  • Einfacher, unbelüfteter Komposttee (anaerob/kalt extrahiert – super einfach, für Anfänger)
  • Aktivierter, belüfteter Komposttee (ACT – Aerobic Compost Tea) – reichhaltiger an Mikroben, aber braucht Belüftung (Pumpe).

Starten sie mit der einfachen Variante, wenn sie keine Pumpe haben. Wichtige Grundregeln (für beide Varianten)

  • Nur reifer, guter Kompost verwenden: Dunkel, krümelig, erdig riechend (kein fauliger Geruch, keine heiße Phase mehr). Am besten Wurmhumus/Regenwurmkompost oder eigener Gartenkompost.
  • Wasser: Immer chlorfrei (Regenwasser ideal; Leitungswasser 24–48 Std. stehen lassen oder über Nacht entchloren).
  • Temperatur: 18–25 °C (warmes Wasser beschleunigt Mikroben).
  • Verwendung: Innerhalb von 4–6 Stunden nach Fertigstellung ausbringen (Mikroben sterben sonst ab). Verdünnt gießen oder sprühen.
  • Dosierung: Meist 1:5 bis 1:20 verdünnen (je nach Pflanze & Boden).

Variante 1: Einfacher Komposttee (unbelüftet – ohne Maschine). Perfekt für den Einstieg, Zero-Waste & kostet fast nichts.


Zutaten (für ca. 10 Liter fertigen Tee)

  • 0,5–1 Liter reifer Kompost (oder Wurmhumus)
  • 10 Liter chlorfreies Wasser (Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser)
  • Optional (sehr empfohlen für mehr Mikroben): 1–2 EL ungeschwefelte Bio-Melasse (oder Rohrzucker/Molke) – Futter für Bakterien
  • Optional: 1–2 EL Gesteinsmehl/Basaltmehl (für Mineralien & Geruchsbinder)

Utensilien

  • Großer Eimer oder Tonne (Plastik, mind. 15 Liter)
  • Alter Stoffbeutel, Mulltuch, Strumpf oder feinmaschiges Netz (als Teebeutel)
  • Stock zum Umrühren
  • Optional: Sprühflasche oder Gießkanne

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Kompost in den Beutel/Socke füllen & zuknoten (verhindert grobe Teile im Tee).
  2. Wasser in den Eimer geben, Melasse & Gesteinsmehl einrühren (gut auflösen).
  3. Beutel in das Wasser hängen/tauchen (Kompost sollte vollständig bedeckt sein).
  4. An warmen, schattigen Platz stellen (20–25 °C).
  5. 2–3 Stunden bis 1 Woche ziehen lassen:
    • Kurze Variante (schnell & mild): 2–24 Stunden, mehrmals umrühren.
    • Längere Variante (stärker): 3–7 Tage, täglich 2–3× kräftig umrühren (fördert mehr Mikroben).
    • Der Tee wird braun, leicht trüb, riecht erdig (nicht faulig!).
  6. Beutel herausnehmen & gut ausdrücken (Reste in Kompost oder Beet).
  7. Tee abseihen (falls nötig) & sofort verdünnt verwenden.

Anwendung

  • Gießen: 1:10 verdünnen → direkt an Wurzeln (Boden düngen/aktivieren).
  • Sprühen: 1:5–1:10 → Blätter (vorbeugend gegen Pilze wie Mehltau).
  • Alle 1–2 Wochen im Wachstum, 1× monatlich im Herbst.

Variante 2: Aktivierter Aerober Komposttee (ACT – mit Belüftung)Reichhaltiger an aeroben Mikroben (besser gegen Krankheiten), nach Elaine Ingham / Dr. Ingrid Hörner.Zutaten (für 20–50 Liter)

  • 0,5–1 Liter reifer Kompost (in Beutel)
  • 20–50 Liter chlorfreies Wasser
  • 30–60 ml Bio-Melasse (pro 20 Liter)
  • Optional: 1–2 TL Seetang-/Kelpmehl, Gesteinsmehl, Huminsäuren

Utensilien

  • Eimer/Tonne + Teichbelüfterpumpe (Aquarienpumpe mit Ausströmerstein, 10–20 L/min)
  • Schlauch & Stein (für Blasen)

Anleitung

  1. Wasser einfüllen, Melasse auflösen.
  2. Kompostbeutel eintauchen.
  3. Pumpe einschalten → 18–36 Stunden belüften (Sauerstoff >6 mg/L halten, Schaum ok – ggf. 1 TL Öl gegen Überlaufen).
  4. Tee wird schaumig, braun & riecht frisch-erdig.
  5. Abseihen & innerhalb 4 Std. ausbringen (1:5–1:20 verdünnen).

Vergleich kurz

  • Unbelüftet: Einfach, günstig, aber mehr anaerobe Bakterien möglich (Geruch prüfen!).
  • Belüftet: Optimal für Mikrobenvielfalt, aber braucht Pumpe (ca. 20–50 € günstig).

Viel Erfolg beim Brauen – ihr Boden & ihre Pflanzen werden es ihnen danken! 

💚

Komposttee ist vor allem ein lebendiger Träger nützlicher Mikroorganismen, die aus hochwertigem Kompost extrahiert und (bei belüfteten Varianten) vermehrt werden. Die Mikroorganismen bilden das Boden-Nahrungsnetz (Soil Food Web) nach, das Elaine Ingham maßgeblich erforscht und popularisiert hat. Sie sorgen für Nährstoffkreislauf, Krankheitsunterdrückung, bessere Bodenstruktur und direkte Pflanzenförderung – ohne synthetische Dünger oder Pestizide.Die wichtigsten Gruppen von Mikroorganismen im Komposttee.

Hier die vier Hauptgruppen mit typischer Zusammensetzung, Funktionen und ungefähren Mengen (basierend auf Elaine Inghams Angaben und Studien zu qualitativ hochwertigem, aeroben Komposttee):
  1. Bakterien
    • Typische Arten: Bodenbakterien wie Pseudomonas, Bacillus, Actinomyceten (Strahlenpilze), Myxobakterien, nitrifizierende Bakterien usw.
    • Menge im guten Komposttee: Ca. 1 Milliarde pro ml (davon 10–150 µg aktive Biomasse/ml, 150–300 µg totale Bakterienmasse/ml).
    • Funktionen:
      • Zersetzen leicht verfügbare organische Stoffe (Zucker, Aminosäuren).
      • Produzieren „Klebstoff“ (Extrazelluläre Polymere), der Bodenaggregate bildet → bessere Bodenstruktur & Wasserspeicherung.
      • Konkurrieren mit pathogenen Bakterien um Nahrung & Platz (Krankheitsunterdrückung).
      • Binden Nährstoffe (z. B. Stickstoff) und verhindern Auswaschung.
      • Viele gehen Symbiosen mit Wurzeln ein (ähnlich Rhizobakterien).
    • Förderung: Durch einfache Zuckerquellen wie Melasse im Tee explosionsartig vermehrt → bakteriell-dominanter Tee (gut für Gemüse wie Tomaten, Salat).

  2. Pilze (vor allem Fadenpilze & Mykorrhiza-Pilze)
    • Typische Arten: Saprophytische Fadenpilze, Hefen, Mykorrhiza-Arten (z. B. Glomus, Trichoderma), Aktinomyceten (technisch Bakterien, aber pilzähnlich).
    • Menge: 2–10 µg aktive pilzliche Biomasse/ml, 5–20 µg totale pilzliche Biomasse/ml.
    • Funktionen:
      • Zersetzen komplexe, holzige Stoffe (Lignin, Zellulose) → Nährstofffreisetzung aus schwer abbaubarem Material.
      • Bilden Netzwerke (Hyphen), die Bodenpartikel verbinden & Erosion verhindern.
      • Konkurrieren mit pathogenen Pilzen (z. B. Fusarium, Pythium, Rhizoctonia).
      • Viele Mykorrhiza-Pilze gehen Symbiosen mit Wurzeln ein → verbessern Wasser- & Nährstoffaufnahme (besonders Phosphor).
    • Förderung: Durch holzige Zusätze (z. B. mehr Steinmehl, weniger Zucker) pilz-dominanter Tee (ideal für Obstbäume, Beeren, Rosen).

  3. Protozoen
    • Typische Arten: Amöben, Flagellaten, Ciliaten.
    • Menge: Über 50.000 Individuen pro Gramm Ausgangskompost; im Tee extrahiert/vermehrt (50–mehrere 100 pro ml).
    • Funktionen:
      • Fressen Bakterien → setzen Nährstoffe (vor allem Stickstoff) in pflanzenverfügbarer Form frei (Mineralisierung).
      • Regeln Bakterienpopulation → verhindern Überwucherung.
      • Gute Indikatoren für aerobe Bedingungen (viele Arten brauchen Sauerstoff).
    • Hinweis: Vermehren sich im Tee nur langsam → meist nur extrahiert, nicht stark vermehrt.

  4. Nematoden
    • Typische Arten: Bakterienfresser, Pilzfresser, Räuber-Nematoden (prädatorisch).
    • Menge: 50–mehrere 100 nützliche Nematoden pro ml.
    • Funktionen:
      • Fressen Bakterien/Pilze → weitere Nährstofffreisetzung (ähnlich Protozoen).
      • Räuberische Nematoden fressen schädliche Wurzelnematoden oder Insektenlarven → natürlicher Schutz.
      • Halten das Nahrungsnetz im Gleichgewicht.

Zusätzliche Mikroorganismen (weniger dominant, aber wichtig)

  • Aktinomyceten (Strahlenpilze): Antibiotika-produzierend, pilzähnlich, unterdrücken Pathogene.
  • Hefen & Oomyceten (Scheinpilze): In kleineren Mengen, oft synergistisch.
  • Mykorrhiza-Pilze: Besonders in pilz-dominierten Tees → langfristig beste Wirkung auf Wurzeln.

Warum diese Vielfalt entscheidend ist.
Ein ausgewogener Komposttee bringt das komplette Boden-Nahrungsnetz in den Boden/auf die Blätter:

  • Bakterien & Pilze → Nahrung & Konkurrenz gegen Pathogene.
  • Protozoen & Nematoden → Nährstofffreisetzung & Regulation.
    Das Ergebnis: gesündere Pflanzen, weniger Krankheiten, besserer Humusaufbau und höhere Resilienz.

Tipp zur Qualitätskontrolle

Wer ernsthaft damit arbeiten will: 
Mit einem Mikroskop (400–1000×) den Tee anschauen
 – du siehst Bakterien als winzige Stäbchen/Punkte, Pilzhyphen als Fäden, Protozoen als bewegliche „Blobbs“ und Nematoden als kleine Würmchen. 

Das ist der beste Weg, um zu prüfen, ob dein Tee aerob & vielfältig ist.
– typische Mikroskop-Aufnahmen von Bakterien, Pilzhyphen, Protozoen und Nematoden im Bodenleben.

Welchen Aspekt findest du am spannendsten – z. B. wie man pilz-dominanten Tee braut, oder wie man mit dem Mikroskop kontrolliert? Schreib es in die Kommentare ! 

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