Anleitung Wurmkompost [ Vermikompost ]

Hier ist eine detaillierte, praxisnahe Anleitung zum Herstellen von Wurmkompost (auch Vermikompost oder Regenwurmhumus genannt). Wurmkompost ist einer der wertvollsten organischen Dünger: reich an Nährstoffen, Mikroorganismen, Huminsäuren und Enzymen – perfekt für Zimmerpflanzen, Balkon, Gemüsebeet oder Garten. Der Prozess läuft in einer Wurmkiste (Wurmfarm) ab und ist ideal für Küchenabfälle in der Wohnung/Balkon (gerucharm, platzsparend).

Warum Wurmkompost?

  • Bis zu 5–10× nährstoffreicher als normaler Kompost.
  • Verbessert die Bodenstruktur, Wasserspeicherung und Pflanzengesundheit.
  • Reduziert Küchenmüll um 50–70 %.
  • Kein Gestank bei richtiger Pflege (nur erdiger Geruch)

1. Materialien & Vorbereitung

Wurmkiste bauen oder kaufen

  • Fertig kaufen: z. B. WormUp, Wurmkiste.at, Hamburger Wurmbank (ca. 80–200 €).
  • Selber bauen (DIY, günstig):
    • 2–3 stapelbare Kunststoffboxen (z. B. 60×40×30 cm, eine mit Deckel).
    • Bohrmaschine + Bohrer (6–10 mm).
    • Optional: Hahn für Wurmtee-Ablauf (unten in unterste Box).
    • Bau-Schritte (einfache Variante mit 2 Boxen):
      1. Oberste Box: Boden mit 20–40 Löchern (ca. Bleistiftdicke) bohren (für Drainage & Wurm-Migration).
      2. Unterste Box: Keine Löcher (fängt Wurmtee auf).
      3. Deckel: Kleine Luftlöcher bohren (ca. 10–20 Stück).
      4. Optional: Dritte Box als Ernte-Box unten.

Würmer

  • Art: Eisenia fetida (Kompostwurm, Tigerwurm) oder Eisenia andrei – kaufen (ca. 250–500 Stück für Start, 20–40 €).
  • Nicht normale Regenwürmer (die graben tief und mögen keine Kiste).

Start-Substrat

  • 5–10 Liter Kokoserde (gequollen) + Gartenerde/Anzuchterde-Mix.
  • Feuchte Pappe/Kartonstreifen (ungedruckt oder schwarz-weiß).
  • Etwas reifer Kompost oder Gartenboden (für Mikroorganismen).

Standort

  • 15–25 °C (ideal 18–22 °C).
  • Halbschatten, frostfrei (Keller, Garage, Balkon, Küche).
  • Keine direkte Sonne oder Heizung.

2. Schritt-für-Schritt: Wurmkiste starten (Tag 1–14)

  1. Box vorbereiten
    Untere Box leer lassen (für Wurmtee).
    Obere Box mit 10–15 cm feuchtem Substrat füllen (wie ausgedrückte Schwamm-Feuchtigkeit – sollte nicht nass sein! ).
  2. Würmer einziehen lassen
    Würmer samt Transport-Substrat vorsichtig auf die Oberfläche legen.
    Mit feuchten Kartonstreifen locker abdecken (schützt vor Licht & hält Feuchtigkeit).
    3–7 Tage nicht füttern – Würmer graben sich ein & akklimatisieren sich.
  3. Erste Feuchtigkeit
    Mit Sprühflasche leicht anfeuchten (ca. 0,5–1 Liter Wasser).
    Deckel drauf (Luftlöcher oben).

3. Füttern & Pflege (ab Woche 2+)

  • Was füttern? (ca. ½–1 kg Abfall pro 1000 Würmer/Woche)
    • Ja: Gemüse-/Obstschalen (außer Zitrus in Maßen), Kaffeesatz, Teebeutel, Eierschalen (zerkleinert), Salat, Brot (alt), gekochte Reste.
    • Wenig/Nein: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Öl, Zwiebel/Knoblauch (viel), Zitrus (sauer), salzige Reste.
    • Immer klein schneiden oder einfrieren & auftauen (zerkleinert leichter).
  • Wie füttern?
    1× pro Woche eine Ecke öffnen → 200–500 g Abfall in eine Kuhle legen → mit altem Substrat/Karton abdecken.
    Nächstes Mal andere Ecke → Würmer wandern.
  • Feuchtigkeit & Luft
    Substrat immer feucht wie Schwamm halten → 1–2× Woche mit Sprühflasche nachfeuchten.
    Wenn zu nass → trockene Pappe einlegen.
    Wenn zu trocken → mehr Wasser.
    Regelmäßig umrühren vermeiden (Würmer mögen Ruhe).
  • Wurmtee sammeln
    Flüssigkeit unten ablassen (alle 2–4 Wochen) → 1:10 verdünnen als Gießdünger.

4. Ernte des Wurmkomposts (nach 3–6 Monaten)

  • Methode 1 (einfach): Futter nur auf eine Seite geben → Würmer wandern hin → andere Seite entnehmen (dunkler, krümeliger Humus).
  • Methode 2 (Trennung): Oberste Schicht mit neuem Substrat & Futter füllen → Würmer migrieren hoch → untere Schicht ernten.
  • Methode 3: Kompost auf Plane kippen → Würmer wandern nach unten (Licht meiden) → Oberes abschöpfen.
    Ertrag: Ca. 50–70 % des Eingeworfenen wird zu Humus.

5. Häufige Probleme & Tipps

  • Zu viele Fruchtfliegen? → Mehr abdecken mit Karton/Zeitung.
  • Zu nass/faulig? → Trockene Pappe einlegen, weniger füttern.
  • Würmer fliehen? → Zu trocken, zu nass, zu heiß/kalt, zu sauer → sofort korrigieren.
  • Winter: Bei <10 °C Aktivität sinkt → kühler stellen oder isolieren.
  • Start langsam: Erste 4–6 Wochen wenig füttern, damit Population wächst (von 500 auf 2000–5000 Würmer möglich).

Viel Erfolg beim Starten ihrer eigenen Wurmfarm – nach ein paar Monaten haben sie den besten Dünger ever! 

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